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Ein Freiwilligen-Einsatz in Südindien

Als Organisationsberaterin / Coach arbeitete Beatrice in Workshops zu Themen wie Umgang mit Konflikten, Führung, usw. mit vielen Gruppen im CESCI und in umliegenden Organisationen und begleitete Ekta Parishad AktivistInnen zu den Adivasis. Hier ihr Kurzbericht mit Bild-Impressionen.

Meine Reise nach Süd-Indien in Worten zu beschreiben, fällt mir schwer. Soviele gute Menschen und Umstände haben dazu beigetragen, dass ich Ausserordentliches erlebe. Meine Sichtweisen auf diese Welt werden von vielen Erfahrungen erweitert. Ich lerne jeden Tag vom Leben mit den Menschen hier, seien es die Menschen, mit denen ich zusammenarbeite oder die Menschen, für die wir arbeiten. Die ersten 8 Wochen habe ich grösstenteils im CESCI in Madurai (Tamil Nadu) in Dörfern verbracht mit Workshops für junge Menschen, in Schulen mit Lehrern, Frauenprogramme etc. Seit einigen Tagen bin ich in den Hügeln, im Bergurwald bei Ureinwohnern, den sogenannten Adivasis im Staate Karnataka. Die Adivasis haben eine tragische Geschichte wie viele der Eingeborenen in anderen Ländern auch - aufgrund von Abholzungen und Bewirtschaftung durch Multis, wurden sie umgesiedelt - Wirtschaftsflüchtlinge. Die Unberührbaren bilden eine grosse Gruppe in Iniden, die Adivasis sind eine zuätzliche Gruppe - ausserhalb des Kastensystems und der „Untouchable community“. Viele Analphabeten, völlig überrumpelt durch die rasante Wirtschaftsentwicklung. Die Adivasi Kultur unterscheidet sich jedoch in vielem von der indischen tiefverwurzelten Kultur des Kastenwesens, einer Dominanzkultur und immer noch der starken Unterdrückung der Frauen. Mehr dazu später ;) Der Trupp, mit denen ich unterwegs bin, sind alle Sozialreformer und Sozialaktivisten, Süd-Inder, meisten mit entweder guten Ausbildungen wie Juristen, Lehrer, Sozialarbeiter oder dann ehemalige Opfer, die sich befreien konnten und jetzt etwas für ihre Dörfer tun wollen. Sie arbeiten mit dem Mindset Ghandis für soziale Gerechtigkeit und Frieden. Non-violence im Denken, Reden und Handeln wird in Trainings diskutiert und geübt - der gewaltlose Weg ist oberstes Gesetz. Sie haben keine Entlöhnungen, die Motivation ist die Vision einer sozial gerechten Gesellschaft und dafür leben sie mit grosser Hingabe. Ein grosser Teil ist den Dalits - den Unberührbaren gewidmet und ein Teil der Abreit den Adivasis - verschiedene Kulturen, doch beide Gruppen sehr marginalisiert. Die Grassroot-Workers und Sozialaktivisten sind in „Movements-Bewegungen“ organisiert und distanzieren sich vom „charity Ansatz“ vieler NGO’s und grossen Entwicklungshilfprogramm-Istitutionen. Ansatz: "Lerne den Menschen Schuhe putzen, dann hat er ein Leben lang zu Essen - mit 5 Franken 1 Tag.“ Oder sie zitieren auch die Analogie, die "Menschen lernen zu fischen und nicht Fische verteilen!" Ein grosser Teil ihrer Arbeit ist „Awareness Training“ - d.h. Bewusstseinsbildung bei den Menschen, damit sie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Zusammenhänge besser verstehen, die Regierungswege und die korrupte Politik verstehen. Ein weiteres Gebiet der Arbeit ist Unterstützung bei den vielen Menschenrechtsverletzungen, d.h. helfen Petitionen zu schreiben und Klagen einzureichen. Dann auch Schulbildung, Grundhygiene, erste medizinische Hilfe, Frauenprogramme. Diese unzähligen Dörfer sind „voiceless communities“ und ihre Absicht ist es, ihnen eine Stimme zu geben, Würde zurückzugeben und ihnen in allem mit Respekt zu begegnen. Sie erklären mir auch unermüdlich, dass sie genau von den Ärmsten lernen und inspiriert werden, dass es ein Austausch ist und nicht ein „oben-unten“. Die Ausrottung des Kastensystems wird vermutlich Hunderte Jahre brauchen, doch im Kastensystem sehen sie die allergrösste Schwelle für soziale Gerechtigkeit in Indien und erst nach der sozialen Gerechtigkeit kann wirtschaftliche Gerechtigkeit folgen. Ich fühle mich sehr beschenkt, sehr glücklich in diesem „Tun“. Im Moment höre ich ein Urwaldvogelkonzert, Holz spalten, Geklapper aus der open air Küche - die Angst vor dem Tiger und Elefanten habe ich verloren, und mit den Blutegeln komme ich auch gut zurecht. In wenigen Minuten starten wir hier im Bergdschungelwald mit einem „Awareness Programm“ - es sind ca. 40 Volunteers, die hier 3 Tage ein Training erhalten, damit sie mit neuen Impulsen und Ideen in ihren Dörfern weiterwirken können.